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OLGA Newsletter no. 1, May 2021

Have a nice spring time!

© pexels | Karolina Grabowska

Pünktlich zum Start der warmen Monate und erster Lockerungen in Sachen Corona erscheint der erste OLGA Newsletter. Mit dieser Publikation möchten wir Sie zweimal im Jahr auf dem Laufenden halten über unsere Aktivitäten im Bereich Forschung, Bürgerbeteiligung und Netzwerkarbeit im Projekt und darüber hinaus über weitere Events, Initiativen und Publikationen zu projektverwandten Themen. Im ersten Projektjahr kommen erfahrungsgemäß viele Prozesse in Gang. Unter Corona-Schutzmaßnahmen läuft das oft nicht so ab wie gewünscht, doch auch so mancher Online-Austausch hat uns im Verbund und darüber hinaus zu interessanten Erkenntnissen gebracht. In dieser Ausgabe:

  1. Ziele anvisiert: Regionale Wertschöpfung und nachhaltige Landnutzung in der Projektregion Dresden
  2. Messkampagne gestartet: Untersuchungen in und an Agrarholzplantagen an Fließgewässern
  3. Kriterien festgelegt: Flächenpotenziale für Agrarholzplantagen in Dresden und Umgebung
  4. Regional gekauft und verzehrt: Verweile doch, das Gute liegt so nah!
    • Online-Austausch mit Gastronomie und Naturkosthandel
    • Citizen Science-Befragung geplant: Wie regional sind Einzelhandel und Gastronomie in der Region Dresden? 
  5. Termine notiert: Veranstaltungen und Ausschreibungen

Viel Freude beim Lesen wünscht 

das OLGA Projektteam

1. Ziele anvisiert: Regionale Wertschöpfung und nachhaltige Landnutzung in der Projektregion Dresden

Herausforderungen und Chancen für das Projekt OLGA

 

 

2. Messkampagne gestartet: Untersuchungen in und an Agrarholzplantagen an Fließgewässern

Welche Auswirkungen haben gewässernahe Agrarholzstrukturen auf Mikroklima und Biodiversität?

Untersuchungsflächen mit Agrarholzplantagen im Projekt OLGA
© TU Dresden/IfW, Manuel Wewer

Welche Leistungen können gewässernahe Agrarholzstrukturen für Fließgewässer erbringen? Vor allem in heißen Trockenperioden leiden die Ökosysteme kleiner Bäche enorm. Der Wasserstand nimmt ab oder sie trocknen oft sogar völlig aus, so dass sich die Lebensbedingungen in und am Gewässer in kurzer Zeit stark verändern können.

Zusätzlich zu den natürlich gewachsenen Ufergehölzen können Agrarholzstrukturen zu einer Verschattung des Gewässers und damit Abkühlung beitragen. Der Laubfall im Herbst kann gegebenenfalls auch als Nahrungsgrundlage für im Gewässer lebende Kleinstlebewesen dienen. Pflanzen wirken gegen Erosion und können Schadstoffeinträge aus der Landwirtschaft ins Gewässer reduzieren. Agrarholzpflanzungen am Gewässer können auch einen Beitrag zum Hochwasserschutz liefern, indem die Bäume durch ihren Fließwiderstand eine Retentionswirkung entfalten und dadurch die Hochwasserwelle verlangsamen.

Wie müssen diese Agrarholzstrukturen nun konkret beschaffen sein, d.h. welche Baumarten sind zu verwenden, und wie müssen sie gepflanzt werden, damit sie sich positiv auf das Klima im und am Gewässer, auf den Boden und die biologische Vielfalt auswirken? Die Wissenschafts-Partner der TU Dresden haben dazu eine umfassende Messkampagne an drei Standorten in der Region Dresden gestartet.


Klima- und Gehölzparameter stehen im Fokus der Untersuchungen

Agrarholzplantage mit Pappeln am Peickwitzer Mühlengraben bei Senftenberg | © Biomasse Schraden e. V.

Die Agrarholzplantage am Peickwitzer Mühlgraben bei Senftenberg (LK Oberspreewald-Lausitz) dient zur Erfassung von Informationen zu den physiologischen Prozessen in den einzelnen Gehölzen und zur Durchwurzelung des Bodens. Die Analysen werden von der Arbeitsgruppe Molekulare Gehölzphysiologie der Professur Forstbotanik durchgeführt. Hier werden über das Jahr 2021 kontinuierlich sowohl klimatische Parameter, wie Lufttemperatur und -feuchtigkeit, Niederschlag, Bodenwassergehalt und Strahlungswärme gemessen. An den Gehölzen selbst wird die zeitliche Veränderung des Stammumfanges der Bäume und der Blattflächen dokumentiert sowie der Laubaustrieb und -fall beobachtet.

Eine weitere in die Untersuchungen einbezogene Agrarholzstruktur steht am Wiesengrundbach in Klingenberg-Colmnitz (LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) am Tharandter Wald. Hier liegen die Erhebungen im Bereich Fließgewässer, ebenso wie an einem weiteren Standort an einem renaturierten Gewässerabschnitt des Mortelbaches bei Waldheim (LK Mittelsachsen). Die Professur für Wasserbau erhebt hier Informationen zur Gewässerhydraulik, zum Mikroklima Fließgewässer sowie zum Makrozoobenthos (benthische wirbellose Fauna) und untersucht die Korrelation dieser Parameter untereinander.

Besichtigung der Agrarholstruktur am Wiesengrundbach in Klingenberg-Colmnitz | © Anke Hahn

 

 
 

Ergänzend zu den gehölzphysiologischen, klimatischen und hydraulischen Messungen ergänzt die Professur für Biodiversität und Naturschutz die Untersuchungen durch Analysen zur Gehölzstruktur und, der Lage der Bäume und des Fließgewässers im Raum mittels hochauflösendem, terrestrischem 3D-Laserscanning. Aufgrund der Laserscanner-Daten wird ein digitales Geländemodell der Untersuchungsflächen erstellt. Weiterhin werden die Bodenbeschaffenheit sowie die Vegetationszusammensetzung in der Plantage selbst und auf den umliegenden Agrarflächen untersucht und die Diasporenbank anhand von Bodenproben analysiert.

Die Messkampagne der TU Dresden laufen noch dieses und nächstes Jahr. Sie soll Informationen zur multifunktionalen und biodiversen Umsetzung einer Agrarholzstruktur liefern.

Kontakt

 

3. Kriterienkatalog erarbeitet: Flächenpotenziale für Agrarholzplantagen in Dresden und Umgebung

Überblick über ausgeschlossene und Potenzialflächen auf Basis von Acker- und Brachflächen sowie Grünland | © Herzig/Schwarz ArcGIS Pro (2021)

Mitarbeiter:innen der Professur Biodiversität und Naturschutz an der TU Dresden betreuten im Rahmen des OLGA Projekts eine studentische Projektarbeit im Rahmen des Masterstudienganges Raumentwicklung und Naturressourcenmanagement, der in Kooperation zwischen der TU Dresden und dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung durchgeführt wird. Im Rahmen der Arbeit wurde das Flächenpotential für die Pflanzung von Agrargehölzen in Dresden und den umliegenden Landkreisen analysiert. Dabei soll neben der energetischen Verwertung des schnellwachsenden Holzes vor allem der ökologische Zustand der Fließgewässer gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie verbessert werden. 
Als Ausgangspunkt diente ein Kriterienkatalog, der Erfordernisse, Ausschlussgebiete und rechtliche Rahmenbedingungen für die potenziellen Flächen der Agrarholzpflanzung regelt:

•    Aktuelle Flächennutzung: Ackerland, Grünland, Brachflächen
•    Entfernung zum Gewässer: 60 m umgebend
•    Abstand zu Siedlungs- und Verkehrsflächen: 8 m
•    Ausschluss: Flächennaturdenkmäler, Kernzonen von Nationalpark und Biosphärenreservat, gesetzlich geschützte Biotope, Überschwemmungsgebiete
•    Hangneigung: max. 20 %
•    Flächengröße: 2-20 ha pro Agrarholzplantage

Ausschnitt einer Potenzialfläche (orange) für Agrarholzstrukturen an den Bächen Triebisch und Kroatenwasser bei Grillenburg im Tharandter Wald | © Herzig/Schwarz ArcGIS Pro (2021)

Unter Verwendung von Datenquellen des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sowie des Staatsbetriebs Geobasisinformation und Vermessung Sachsen erfolgte die Ermittlung der Potenzialflächen mit Hilfe des Geoinformationssystems ArcGIS Pro.  

Für die Etablierung der Agrargehölze kommen nach Durchführung der Analyse 2.480 Flächen infrage, die innerhalb eines Radius von 40 km um die Stadtgrenze von Dresden liegen und in die vorgegebene Flächengröße von 2- 20 ha pro Agrarholzpflanzung fallen. Diese haben eine Gesamtflächengröße von 8.951 ha, was einem Anteil an den Grünland-, Acker- bzw. Brachflächen von 7 % entspricht. Die meisten Potenzialflächen sind eher kleinteilig und erreichen die Mindestgröße von 2 ha. Im Mittel beträgt die Größe aller Potenzialflächen 3,6 ha, wobei die größte Fläche 17,2 ha groß ist. Auch Flächen über 20 ha dienen potenziell zur Pflanzung von mehreren Agrarholzpflanzungen, deren Größe jeweils die 20 ha nicht überschreiten. 

Die Ergebnisse der Arbeit geben eine erste Einschätzung über mögliche Flächennutzungen mit Agrarholz in der Region Dresden.  Zur endgültigen Ermittlung der Flächenpotenziale und realisierbaren Umsetzungsflächen wird der Kriterienkatalog im weiteren Projektverlauf noch weiter spezifiziert.  

Marie Herzig und Lena Schwarz

Kontakt: Michaela Hildebrand, TU Dresden, Prof. für Biodiversität und Naturschutz | E-Mail

4. Regional gekauft und verzehrt: Verweile doch, das Gute liegt so nah!

Online-Austausch mit Gastronomie und Naturkosthandel

© Pexels | Ella Olsson

Anfang des Jahres lud das Umweltzentrum Dresden zu einem digitalen Austausch über das Thema Regionalität in der Gastronomie ein. Dabei warfen Gastronom:innen aus der Projektregion Dresden, Naturkostgroßhandel und weitere Akteure von verschiedenen Projekten und Vermarktungsinitiativen einen Blick auf die Struktur der vorhandenen regionalen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Gastronom:innen und Erzeuger:innen. 

Eingangs boten drei Kurzvorträge Impulse zur Diskussion: Robin Ehrhardt vom Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) stellte die Gastroplattform Wirt sucht Bauer vor und Philipp Kögler sprach über die ersten Erfolge mit dem digitalen Marktplatz lefoodie für regionale Erzeuger:innen und Gastronom:innen im Raum Leipzig. Ergänzend zu den beiden Vermarktungsplattformen präsentierte Stefan Mansfeld vom Sächsischen Landesamt für Landwirtschaft und Geologie das Verbraucherportal regionales.sachsen.de. Die Veranstaltung wurde von Julia Leuterer, Geschäftsführerin der Lokalen Agenda Dresden, moderiert.

Nach den Impulsvorträgen wurde lebhaft diskutiert: Die Zahlungsbereitschaft für regionale Produkte könne beim Gast als Endkunden sehr hoch sein. Voraussetzung dafür sei aber ein überzeugendes ‚Storytelling‘, die Erzählung einer authentischen Geschichte über die/den Erzeuger:in und die Herkunft der Produkte aus nächster Nähe. Der Bedarf für eine regionale Vermarktungsplattform sei durchaus vorhanden, Herausforderungen dabei seien jedoch Logistik, eine ausreichende Produktpalette und bedarfsgerechte Mengen. Auch der persönliche Kontakt zwischen Erzeuger:in und Gastronom:in sei als Grundlage für eine gute Geschäftsbeziehung nicht zu unterschätzen. Im meist stressigen Alltagsgeschäft mit wenig Zeitressourcen müsse eine Bestellung auch mit nur wenigen Klicks erledigt sein. 

Nach der Veranstaltung zeigte sich ein hoher Bedarf auf Seiten der Gastronomie an Kontakten zu Erzeuger:innen und an der Weiterentwicklung von regionalen Bezugsquellen. Diesen und weiteren Themen im Bereich regionale Wertschöpfung wird sich das Projekt OLGA in den kommenden Monaten widmen. 

 

Citizen Science-Befragung geplant: Wie regional sind Einzelhandel und Gastronomie in der Region Dresden?

© Daniel Heine

Vielen Menschen achten beim Einkauf darauf, dass die Eier aus der Region sind, das Gemüse zumindest aus Deutschland kommt oder warten im Frühling, bis es die Erdbeeren nicht mehr aus Spanien, sondern aus der Umgebung gibt. Aber wie sieht es mit dem Brot vom Lieblingsbäcker aus? Der bäckt zwar lokal, aber wo kommen eigentlich seine ganzen Zutaten her? Oder beim Mittagessen mit den Kolleg:innen: Ist das Gemüse auf dem Teller nun aus der Tiefkühltruhe oder frisch vom lokalen Erzeuger? Beim Metzger ist es oft noch komplizierter. Da steht ‚regional‘ auf einem Schild: heißt das jetzt, dass in der Region geschlachtet wurde, die Tiere aufgezogen, geboren oder die Futtermittel regional erzeugt wurden? Laut der Verbraucher- und Marktstudie “Wie regional is(s)t Sachsen?”  ist Regionalität für viele Erzeuger ein wichtiges Kriterium beim Einkauf, regionale Produkte zu identifizieren aber oft gar nicht so einfach. Das Projekt OLGA lädt deswegen Bürger:innen ein, beim Einkauf in Metzgereien und Bäckereien sowie beim Restaurantbesuch nach der Herkunft der Lebensmittel zu fragen und diese Antworten in einem digitalen Fragebogen zu erfassen. Ziele der Befragung sind

•    die Beantwortung der Frage: Wie hoch ist der Anteil an regionalen Lebensmitteln in Gastronomie, in Bäckereien und Metzgereien in Dresden und Region?  
•    die Animation der teilnehmenden Bürger:innen, beim Restaurant-, bzw. Metzgerei- oder Bäckereibesuch auf regionale Herkunft zu achten.

Beim Nachfragen soll Regionalität beim (Einzel-)handel stärker in den Fokus rücken. Die Aktion ist Teil der Citizen Science-Bewegung, bei der Bürger:innen sich aktiv an Forschungsprozessen beteiligen. 

Der Start der Befragung „Wie regional war Dein Einkauf?“ erfolgt, sobald die Corona-Regelungen eine Öffnung der Gastronomie zulassen und wird über die OLGA-Webseite und Social Media-Kanäle bekannt gegeben.

Kontakt: Veronica Schmidt-Cotta, Umweltzentrum Dresden | E-Mail

5. Termine notiert: Veranstaltungen und Ausschreibungen

31.05.-02.06.2021: 35. Naturschutztag, online | mehr Info
28.-29.06.2021: Dresdner Flächennutzungssymposium, hybrid | mehr Info
01.-02.07.2021: ARL-Kongress 2021: Im Zeichen der Pandemie – Raumentwicklung zwischen Unsicherheit und Resilienz, online | mehr Info
17.07.2021: UFER Kitchen Talk @Koko/Alte Gärtnerei: Cash Cow - Regionale Finanzierungmodelle, Dresden | mehr Info
02.08.2021: Einreichfrist Beiträge „Bio-Regio Modellregionen Sachsen“ | mehr Info
31.08.2021: Einreichfrist Ideenwettbewerb „Modellbetriebe Bioökonomie“ | mehr Info
02.09.2021: 2. Zukunftswerkstatt des Projektes WertVoll, Leipzig | mehr Info
09.09.2021: EDIC Dresden „Europa am Morgen“ – Der Europäische Grüne Deal als Schlüssel für eine regionale und biodiverse Land- und Ernährungswirtschaft  - Anspruch und Wirklichkeit, online | mehr Info
20.-22.09.2021: Landscape 2021 – Diversity for Sustainable and Resilient Agriculture, online | mehr Info
22.-24.09.2021: IÖR-Jahrestagung Raum & Transformation, Dresden | mehr Info
23.09.2021: UFER Kitchen Talk @Koko/Alte Gärtnerei: From farm to fork - Regionale Gastronomie, Dresden | mehr Info
29.-30.09.2021: 8. Forum Agroforstsysteme, Bernburg/Saale | mehr Info

Imprint

Dieser Newsletter wird herausgegeben von der Landeshauptstadt Dresden als für die Öffentlichkeitsarbeit zuständiger Verbundpartner im Projekt OLGA, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Stadt-Land-Plus-Programms gefördert wird.

Landeshauptstadt Dresden
Bürgermeisteramt
Dr.-Külz-Ring 19
01067 Dresden

Redaktion: Anke Hahn | Kontakt
Mit Beiträgen von Marie Herzig, Michaela Hildebrand, Prof. Doris Krabel, Veronica Schmidt-Cotta, Lena Schwarz, Alexander Solger, Manuel Wewer

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