OLGA

Modul 3: Partizipation durch Citizen Science

Citizen Science - Bürger:innen forschen für nachhaltige Landnutzung und regionale Wertschöpfung

© Himbeerspecht | Liane Hoder
© Himbeerspecht | Liane Hoder

OLGA fördert die Anwendung von partizipativen Elementen bei der Diskussion und Gestaltung von nachhaltigen Nutzungsalternativen von Flächen an Gewässern und auf Agrarflächen und bei der Entscheidungsfindung in lokalen und regionalen Planungsprozessen. Die Erprobung und Evaluierung von Citizen Science-Vorhaben zur Beteiligung der Öffentlichkeit an Prozessen und Entscheidungen für eine zukunftsfähige Landnutzung und regional nachhaltigen Ernährung in der Region Dresden stehen im Mittelpunkt von Handlungsfeld 3.

Wie können Bürger:innen zur Mitwirkung motiviert und qualifiziert werden? Dazu werden passende Qualifizierungsangebote konzipiert, Citizen Science-Prozesse evaluiert und beforscht, insbesondere hinsichtlich der Einstellung und Motivation der Bürger:innen an der Teilnahme.

Im Modul 3 werden folgende Aktivitäten durchgeführt:

  • Citizen Science-Vorhaben strukturieren - Status Quo, Analyse der Voraussetzungen der Beteiligung von Büger*innen
  • Untersuchung zur Motivation von Bürger*innen zur Teilnahme an Citizen Science-Vorhaben
  • Durchführung von Citizen Science-Vorhaben, z. B. zum Thema regionale Ernährung etc.
  • Entwicklung und Nutzung von 3D-Werkzeugen für Partizipation
  • Evaluation des Partizipationsprozesses

Zurück zur Übersicht

Citizen Science-Befragung in Dresden und Region: Wie regional ist Ihr Einkauf?

© Daniel Heine

Vielen Menschen achten beim Einkauf darauf, dass die Eier aus der Region sind, das Gemüse zumindest aus Deutschland kommt oder warten im Frühling, bis es die Erdbeeren nicht mehr aus Spanien, sondern aus der Umgebung gibt. Aber wie sieht es mit dem Brot vom Lieblingsbäcker aus? Der bäckt zwar lokal, aber wo kommen eigentlich seine ganzen Zutaten her? Oder beim Mittagessen mit den Kolleg:innen: Ist das Gemüse auf dem Teller nun aus der Tiefkühltruhe oder frisch vom lokalen Erzeuger? Beim Metzger ist es oft noch komplizierter. Da steht ‚regional‘ auf einem Schild: heißt das jetzt, dass in der Region geschlachtet wurde, die Tiere aufgezogen, geboren oder die Futtermittel regional erzeugt wurden? Laut der Verbraucher- und Marktstudie “Wie regional is(s)t Sachsen?”  ist Regionalität für viele Erzeuger ein wichtiges Kriterium beim Einkauf, regionale Produkte zu identifizieren aber oft gar nicht so einfach. Das Projekt OLGA lädt deswegen Bürger:innen ein, beim Einkauf in Metzgereien und Bäckereien sowie beim Restaurantbesuch nach der Herkunft der Lebensmittel zu fragen und diese Antworten in einem digitalen Fragebogen zu erfassen. Ziele der Befragung sind

•    die Beantwortung der Frage: Wie hoch ist der Anteil an regionalen Lebensmitteln in Gastronomie, in Bäckereien und Metzgereien in Dresden und Region?  
•    die Animation der teilnehmenden Bürger:innen, beim Restaurant-, bzw. Metzgerei- oder Bäckereibesuch auf regionale Herkunft zu achten.

Beim Nachfragen soll Regionalität beim (Einzel-)handel stärker in den Fokus rücken. Die Aktion ist Teil der Citizen Science-Bewegung, bei der Bürger:innen sich aktiv an Forschungsprozessen beteiligen. 

Die Ergebnisse der Befragung „Wie regional war Dein Einkauf?“ werden hier nach erfolgter Auswertung zu lesen sein. 

Fokusgruppen-Auftakt online: Perspektiven für nachhaltige Landnutzung und regionale Wertschöpfung in der Region Dresden

Nachdem sich die Corona-Situation in Dresden und Region im November 2021 verschärft hatte, haben wir entschieden, die OLGA-Fokusgruppen in das Frühjahr 2022 zu verschieben (siehe EVENTS). Trotzdem nutzten wir die bereits kommunizierten Termine Ende November und Anfang Dezember 2021 für Online-Austausche, um so die beteiligten regionalen Akteure erstmalig untereinander bekannt zu machen und erste Stimmungs- und Meinungsbilder hinsichtlich der vier Fokusgruppen-Themen vorzuskizzieren und in die Präsenzveranstaltungen einfließen zu lassen. Anbei ein kurzer Abriss zu den Ergebnissen:

22.11.2021: Online-Austausch "Förderung der Biodiversität durch den Anbau von Agrarholz – unrealistisch oder umsetzbar?"

Das Wissen um die Anlage und Bewirtschaftung von Agrarholzstrukturen generell muss in der Region Dresden noch stärker kommuniziert werden. Landwirte wissen oft gar nicht, wie sie das am besten anfangen. Die transparente Vermittlung der Gesamtkosten sowie die ökologischen Vorteile einer Agrarholznutzung für Boden und Biodiversität ist hier eine wichtige Aufgabe. Den Flächenbesitzern und -nutzern muss am Ende klar sein, dass es sich lohnt, Biodiversität fördernde und multifunktionale Agrarholzsysteme anzubauen, da Agrarholz vielseitige Wertschöpfungsoptionen bereitstellen kann: von Holzhackschnitzeln über die Früchte der Bäume bis hin zum Ausgangsmaterial für Pflanzenkohle. Diese Landnutzungsform kann darüber hinaus bestimmte Ökosystemleistungen fördern, ist aber in Bezug auf das jeweilige landwirtschaftliche System unterschiedlich auszugestalten. Die Förderrahmenbedingungen für die Realisierung von Agrarholz- und Agroforstsystemen müssen in Sachsen noch geschaffen werden. Wie diese konkret aussehen können, darum geht es auch bei der Präsenzveranstaltung am 25.04.2022.

25.11.2021: Online-Austausch "Nachhaltige Landnutzung an Fließgewässern durch Agrarholzstrukturen" 

Analog zur Fokusgruppe Biodiversität wurde auch hier gefordert, die Vorteile von Agrarholzstrukturen am Gewässer stärker zu vermitteln. Zusammen mit den Unteren Wasserbehörden sollten die rechtlichen Hürden aber auch Möglichkeiten zur Integration von Agrarholz in Gewässerunterhaltungsmaßnahmen diskutiert werden. Landwirte, die aktuell noch Bedenken haben, ihre Flächen mit Holz zu bestocken, sollten unbedingt an der Fokusgruppe teilnehmen. Wichtig ist es, bei der Präsenzveranstaltung am 28.04.2022 gemeinsam ein konkretes Anlagedesign zu skizzieren, sowohl für den Standort Agrarfläche als auch Gewässerrand.

30.11.2021: Online-Austausch "Regional erzeugte Hülsenfrüchte für die lokale Ernährungsbranche" 

Ziel ist es, gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Leguminosen Sachsen mehr Hülsenfrüchte, wie z. B. Lupinen, Erbsen, Bohnen, für die menschliche Ernährung in der Region Dresden anzubauen und zu verarbeiten. Ob in Backwaren, in Aufstrichen oder einfach als Minisnack oder Mittagsgericht: Hülsenfrüchte sind durch ihre gute Klimabilanz, ihre Glutenfreiheit und als vegane proteinreiche Alternative beliebter denn je. Wichtig ist es auch hier, die Bauern zu überzeugen, dass der Anbau sich lohnt und die Infrastruktur zur Verarbeitung regional vorhanden ist. Stabile Wertschöpfungsketten etablieren und neue Produkte mit Hülsenfrüchten entwickeln sind hier die akuellen Herausforderungen. Vor allem junge Leute machen sich mehr Gedanken über eine gesunde, energiereiche Ernährung - da sind Produkte mit Hülsenfrüchten stark im Kommen. Bei der Präsenzveranstaltung am 03.05.2022 werden die wichtigen Akteure entlang der Wertschöpfungskette vertreten sein, um gemeinsam neue Anbauformen und Wertschöpfungsoptionen mit Hülsenfrüchten in Dresden und Region zu diskutieren. 

02.12.2021: Online-Austausch "Gemüsepool 3.0 –Flächensicherung für Ernährungszwecke durch regionale Kooperation?"  

Wie können wir mehr Fläche für regionale Ernährung sichern? Die Regionalplanung kann nicht vorgeben, was der Landwirt genau anbauen soll und ob er es ökologisch bewirtschaftet oder nicht. Es gibt aber viele Junglandwirte, die auf der Suche nach Land sind, um Ökolandbau zu betreiben. Wie kommen die an erschwinglichen Grund und Boden? Das Gerangel um die Flächen ist groß. Die meisten werden von großen Agrargenossenschaften bewirtschaftet. Eine Möglichkeit wäre, dass große Unterehmen Land an Junglandwirt:innen und somit eine Bewirtschaftung Seite an Seite - ökologisch und konventionell - realisiert werden kann. Mit dieser Strategie werde auch die Anbau- und Sortenvielfalt gefördert. Bei der Präsenzveranstaltung am 05.05.2022 sollen die Teilnehmer:innen gemeinsam überlegen, wie sie einen in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsortes liegenden 10 Hektar Acker bewirtschaften würden.

Wenn ihr Interesse habt, an einem der vier Fokusgruppen-Themen mitzuwirken, könnt ihr uns gerne eine E-Mail schreiben an projekt-olga@tu-dresden.de.

Die Themenvielfalt der OLGA Fokusgruppen spiegelt nur einige der zahlreichen Nutzungsansprüche an das Land wieder. Gemeinsam mit Fachakteuren und Einwohner:innen wollen wir bei den vier Veranstaltungen im Frühling 2022 herausfinden, welche Bewirtschaftungsmethoden und Wertschöpfungsoptionen der Region Dresden gut tun. | Fotos von links nach rechts: Biomasse Schraden e. V., Anke Hahn, Mayer, Solawi Bamberg.